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Reisebericht Bahai "Haus der Andacht"

2014-06-09; Position 50°06'47.3"N 8°23'48.9"E

Allgemeines

Klar muss Pfingstmontag als wichtigstes Fest des Christentums angemessen ausgefüllt werden. Warum dann nicht mit einer Pilgerfahrt? Zu den Bahá’í…

Ein noch recht unbekannter und junger Glauben, welcher um 1852 aus dem Babismus hervorging.
Der Bab (“Das Tor”) war ein Mann, der ankündigte, den neuen Propheten zu finden, da die Welt einen neuen Wandel vor sich habe. Als alte Propheten führen die Bahá’í Jesus, Mohammed, Buddha, Krishna, … an welche bereits die Welt verändert haben.
Einer seiner hohen Anhänger offenbarte sich nach dem gewaltsamen Tod des Bab selbst als “Baha'ullah”, der neue Prophet.
Er verbreitete seine Lehren, welche bis heute eine recht große Gemeinde (ca. 6 mio Anhänger Weltweit) hat.
Die Bahá’í wurden und werden in ihrem Ursprungsland Iran schwer verfolgt. Dies hat seine Wurzeln in den recht genau definierten Lehren des Islam, welchen die Bahá’í zum Teil widersprechen.

Diese Lehren handeln von der Einheit der Menschen und des Glaubens. Die Bahá’í glauben, dass alle Religionen im Grunde an den einen Gott glauben, nur jeder auf andere Weise. Die Bahá’í sehen sich als Möglichkeit, alle Menschen unabhängig von Rasse, Glauben, etc. zu vereinen und heißen jeden Willkommen. In ihren Gottesdiensten wir ohne Auslegung neben ihren eigenen Texten auch aus den wichtigsten Schriften aller Weltreligionen gelesen.
Die Bahá’í heißen andere Religionen ausdrücklich Willkommen.
Geistige Führer gibt es in der Form nicht, die Religion führt sich demokratisch mit Wahlen ähnlich wie ein großer Verein.
Haus der Andacht Haus der Andacht innen

Erfahrungen vor Ort

Nahe Frankfurt in einem Vorort steht das europäische “Haus der Andacht”, der Bahá’í-Tempel in Europa. Etwas unterhalb befindet sich ein Infozentrum, vor dem auch gleich jemand saß, der mir ein wenig über die Bahá’í erzählen konnte, sodass ich nun dieses Bericht schreiben konnte. Freundlich war der Empfang von den wenigen Personen auf dem Gelände, freundlich gaben sie Auskunft über alle Fragen. Alle Tempel sind nach allen Seiten hin offen, symbolisch dafür, dass jeder Willkommen ist, egal woher er kommt (auch im übertragenen Sinn).

Ein idyllischer Weg ist rund um den Tempel angelegt.
Beeindruckend war er von innen. Da wenig los war an dem Tag herrschte absolute Stille. und ich meine nicht, dass man keine Autos, Worte oder das sonstige örtliche Grundrauschen mehr vernahm. Selbst die Vögel waren nicht mehr zu hören. ganz leicht nur noch wie weit entfernt der Wind, der direkt auf die Kuppel des Gebäudes drang. Eine Stecknadel hätte man nicht nur vielleicht fallen hören können, sondern ganz sicher und zwar von jedem Punkt der Halle.

Und ums nochmal zu verdeutlichen: Ich kann mich an keinen Moment erinnern, an dem es einmal um mich herum so still war. Für Meditation oder Gebet wirklich der perfekte Ort.
Es war mir tatsächlich unangenehm, diese Stille mit einem Flüstern zu durchdringen. Oder dem rascheln meiner Kleidung bei einer Bewegung.
Im Anschluss führte mich der Weg noch einmal zum Infozentrum. Dort wurde ganz unaufdringlich ein kurzer Info-Film zu den Bahá’í gezeigt, Tee, Wasser und Gebäck gereicht.
Etwas kritisch betrachtet versuchte der Film natürlich auch zum Ausdruck zu bringen “Wir sind gut. Komm zu uns”. Eine Bibliothek mit umfangreicher Literatur befindet sich ebenfalls dort.
Haus der Andacht innen Haus der Andacht innen

Persönlicher Eindruck

Zuerst: Meine persönliche Meinung ist atheistisch geprägt und kann sich in den folgenden Zeilen so widerspiegeln.
Die Entstehung der Bahá’í und die Selbsternennung ihres Propheten finde ich... einfältig. Dieses Vorgehen ist schlecht durchdacht und naiv. Auch der explizite Glaube an einen wahren Gott hat meiner Meinung nach noch immer die Schwäche des Versteifung auf Monotheismus.

Die Lehren und Lebensweise hingegen sind eine tolle Methode, Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenzubringen und ein Zwischenschritt, den religiöse Menschen wählen können, einander näher zu kommen ohne sich aufgrund ihres Glaubens zu bekämpfen.

Die Bahá’í sind vermutlich deshalb so unbekannt, da sie sehr unaufdringlich sind.
Vor Ort fühlte ich mich Willkommen und wie ein Gast, dem man nichts aufdrücken möchte, dem aber trotzdem ein Umfangreiches Angebot an Möglichkeiten offensteht.

Für mich hat das Bahá’ítum allerdings wenig zu bieten, da ich als Atheist über das Separieren durch Religionen und Kulturen bereits hinweg bin.